Ungereimtes

Bevor der Strickvirus bei mir ausbrach, war Literatur – Lesen und Schreiben – meine größte Leidenschaft. In dieser Zeit hatte ich auch die Gelegenheit, für das pfälzer Stadtmagazin Point eigene Texte zu verfassen. Wer mag, kann hier Glossen und da Buchrezensionen von mir lesen, die ich seinerzeit geschrieben habe. Ich bemühe mich, die Texte nach und nach einzustellen.

Klammheimlich nahm Stricken über die Jahre immer mehr Zeit für sich in Anspruch und verdrängte das alte Hobby. Irgendwie hab ich auch manchmal einfach nicht den Nerv, mich gedanklich auf ein ganzes Buch einzulassen. Blöd eigentlich…

Allerdings hat man beim Stricken manchmal sehr viel Zeit, über bestimmte Dinge nachzudenken. Manchmal ist man auch gezwungen, sich mit bestimmten Themen auseinander zu setzen. Und manchmal wird daraus dann was „Prosa-Lyrisches“ …

Gezeiten
Die Stirn in Falten läßt du es donnern,
Deine Augen senden Blitze,
bei jedem Gedanken.
Du hast derer viele.

Dein Mund läßt prickelnde
Wortperlen platzen,
die mich kitzeln.
Deine Hände zupackend,
ständig in Bewegung,
forschend,
selten verweilend.

Flutest mich, reißt mich mit dir.
Schwappst über mich,
läßt mich auf deinen Wellen tanzen,
ziehst mich raus auf’s offene Meer.

Bitte
zeig dich mir bei Ebbe,
wenn du keine Gedanken mehr zu denken hast,
sich die Sonne in deinen ruhigen Augen spiegeln kann,
dein Verstand dem Meer gleich ruht.

Meine Füße von Wasser umspült
im Treibsand deiner Seele
möchte ich
wortlos deine Hand halten,
ein Herz in den Sand malen,
wissend,
daß die Flut es wieder wegspült.

Wo warst du eigentlich gestern abend? (01/2011)

Der Vorhang fällt,
ich geh nach Haus
und räume meine Tasche aus:

Wegbeschreibung – hab’s ja gefunden,
Kamera – doch kein Bild gemacht,
benutzte Taschentücher – salzwassergetränkt,
Kosmetika – keine Deckkraft bei ungeschminkter Wahrheit.

Nur die Enttäuschung bleibt drin.
Die werde ich wohl noch einige Zeit
mit mir rumtragen.

Koalabären vom Aussterben bedroht!

Koalabären
Koalabäre
Koalabär
Koalabä
Koalab
Koala
Koal
Koa
K.o.

Phonemik

Ich höre, was du sagst.
Buchstaben, Wörter, Sätze purzeln aus deinem Mund,
bilden kringelnd bunte Letter-Schlangen.
Sie zu ordnen erscheint mir sinnlos;
ich verstehe nicht.

Maulkorb verpasst

Manchmal…
… sitzt man vor den Scherben,
die einst das Glück bedeuteten.

Zersprungen…
… nach einer unbedachten Äußerung.

Unzurücknehmbar…
… weil ausgesprochen.

Unkittbar…
… weil zerbrochen.

Manchmal…
… sollten man einfach mal die Schnauze halten.

So Hanami

Zartrosa Teppich aus gefallenen Blütenblättern,
so weich unter meinen nackten Füßen,
so betörend der Duft
und so wunderschön anzusehen.
Es tut mir leid,
daß ich mich so an deinem Tod erfreuen kann.

Full House

„Full house!“ hast du gesagt,
am Anfang.

Jetzt
frage ich mich:
„Wo war der Joker?“.

Wer von uns hat damals eigentlich
die Karten gemischt, Spieler?

Charakterschwein

Du hast gegrunzt,
als ich über meinen Schatten sprang,
mir selbst untreu wurde und deinem Werben nachgab.

Du hast gegrunzt,
beim ersten alkoholumnebelten Kuß, beim ersten Seelenkontakt.

Du hast gegrunzt,
zu Gretchens Faust beim sexten Akt des Fingerspiels.

Du hast gegrunzt,
als ich nach Liebe fragte und von Dauer sprach.

Du zogst es vor,
den Koben der Beziehung zu verlassen.

Du Charakterschwein,
du machst mich zum Gefühlsvegetarier.

Oink, oink!

In Gedanken  (in Anlehnung an Eugen Roth)

’ne Frau schaut in der Straßenbahn
der Reihe nach die Männer an.

Jäh ist sie zum Verzicht bereit
auf jede Art von Fruchtbarkeit.

Verzeih mir! (Für Michael G.)

Ich stehe vor dir
mit leeren Händen.

Hab nicht mal Blumen mitgebracht.

Mit klammen Fingern sammle ich welkes Laub.

Du hast Moos angesetzt, mein Herz.

Ist es wirklich schon so lange her?

Ich hab noch nicht mal Blumen mitgebracht…

nur meine lebendigen Erinnerungen

an dich, an uns, an jenen Tag, als du gingst.

Bist du enttäuscht wegen der Blumen?

Ich möchte mich zu dir legen,

mir die Nasenlöcher mit Erde verstopfen,

möchte den blauen Himmel über mir sehen,

oder

endlich vergessen können.

Meine Finger krallen sich in Marmor.

Du fehlst mir so.

Wie konnte ich vergessen Blumen mitzubringen?

Verzeih mir!

Irgendwann bleib ich für immer

und bringe dir auch Blumen mit.

Erdbeereis

Magst du mal kosten?

Du nickst.

Das Eis ist längst geschmolzen,
als ich die Augen wieder öffne.

Geschmeckt hat’s trotzdem.

Etikettenschwindel/ Trugschluß

„Wiederverschließbar!“ steht auf der Verpackung drauf.

Ich wär‘ ja schon glücklich, ich kriegte sie auf 😉

Wortgewalt

Du redest und giftest,
meine Ohren bluten.

Überschüttest mich mit einem Wortschwall,
bis ich darin ertrinke.

Deine verbalen Attacken
hinterlassen in mir blaue Flecken.

Feuerst dein Wörterarsenal-
ich bin zutiefst getroffen.

Verschießt verbale Spitzen,
die auf mich nieder hageln.

Schleuderst mit Worten um dich-
triffst mich final mitten ins Herz.

Deine Munition ist verschossen,
mir fehlen die Worte.

Mund-tot.

Verpasst

Wie gerne
hätte ich deine Hand genommen.

Wie bescheuert
kann man sein?

Phantomschmerz

Wieso tut mir das so weh,

wenn Du meine Hilfe nicht annimmst,

dich darüber lächerlich machst?

Die alte Narbe fehlendes Urvertrauen brach auf,

und es schmerzt da, wo eigentlich nichts mehr ist.

Wieso komme ich mir dumm vor,

wenn du dich blöd verhälst?

Ich zieh die abgewiesenen Fühler wieder ein

und humple angeknackst in mein Schneckenhaus zurück.

Wieso tut mir das so weh,

wenn du mich nicht willst,

wenn da nichts ist?

Drama-Queen

Ich bin frei, juhu!
Keine Verpflichtungen, keine Arbeit, faulenzen, Frühstück im Bett,
keiner der mir sagt, was ich wann und wie zu tun habe, die Seele baumeln lassen.
Gesprengte Ketten, selbstbestimmtes Leben, keine Regeln, keine Zwänge, grenzenlose Freiheit!

Mein Gott, sagst du
und rollst mit den Augen.
Es ist nur
ein verlängertes Wochenende!

Begegnung

Schockschwere Not!
Ach, du bist es nur.
Hallo ich!

Blaues Blut

Die Herkunft so adelig,
die Haut so bleich,
das Blut so blau.

Dem Vampir war das egal.
Letztendlich schmeckten sie alle gleich.

Lila (Projekt Farbe bekennen 2010)

Am Anfang war die Stelle rot,
wo es mit dem Kopf an die Wand geknallt worden war.

Als die Nachbarn die Behörden informierten,
und keiner kam, war der Fleck blau.

Das Blut gerann, und das Hämatom schimmerte dunkellila,
als man den kleinen Sarg aus dem Leichenwagen holte.

Danach war alles schwarz.

Ghostwriter

Das Essen war gut,
das Wetter schön.

Wie gern würd‘ ich dir
– zwischen den Zeilen –
mal in die Seele seh’n.

Irrweg – Der fliegende Holländer reloaded

Im Sturm vom Seeweg abgekommen,
das Kap der Hoffnung stur im Blick,
hast du den Mund zu voll genommen,
jetzt gibt – verflucht – es kein Zurück.

Rast- und ziellos durch sieben Weltenmeere
lenkst Gotteslästerer du ein Geisterschiff nun;
das Steuerrad in der Hand wiegt so schwere,
doch deine Seele darf nicht ruh’n..

Bis zum jüngsten Tag, so die Historie,
sei die vom Schöpfer auferlegte Frist;
Scheiße, bin ich froh, daß der noch nie
in meiner Karre mitgefahren ist.

Buddha

Religiöse Tauschbörse –
Kerzen, Blumen und Räucherstäbchen
gegen Erkenntnis, Karma und Wiedergeburt.

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